Helden von früher: Marc Ribot

Ein altes Lieblingsstück von mir ist „Yo, I killed your God“ von Marc Ribot & The Rootless Cosmopolitans vom 1992er Album „Requiem for What’s His Name“. Vor einiger Zeit ist mir der Titel wieder in den Sinn gekommen. Ich habe ihn als MP3 kodiert und dann zusammen mit einem Riesenhaufen Partisanjazz (Playlist) auf den Player meiner 16jährigen Patentochter kopiert — mehr als 50 für mich bedeutungsvolle Stücke; ein Riesenbrocken digitalisierter Vergangenheit und Gegenwart.

Das Stück von Marc Ribot hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt sicher seit 15 Jahren nicht mehr gehört. Denn kurz nach dem Erscheinen der Platte bin ich in die Techno/House-Szene abgetaucht, wurde einige Zeit später auf Drum&Bass-Partys gesichtet, auf Dancehall-Events und in Undergroundhiphop-Plattenläden. Dann kam Entspannung in Chillout-Areas und Lounges, bis mich eine Zeitmaschine in die Jazzgeschichte schleuderte. Zurück in der Gegenwart, mit einem Riesenhaufen Vinyl-Rerelases im Gepäck, wurde ich Jazzpartisan.

Und Marc Ribot ist immer noch der Alte — er beginnt das neue Album seiner neuen Band mit einem krachend lauten Cover des Doors-Klassikers „Break on through“, das Jim Morrison mit Sicherheit aus dem Grab katapultiert und zur Wiederauferstehung gebracht hat. Ray Manzarek war dabei, ich habe die Luftgitarre gespielt und mein 12 Millimeter langes Resthaar um den Kopf gewirbelt.

Das Album ist ein ziemlich wilder Mix aus absurdem Antipop, zerknittertem Postrock und einem Gran Schmerzjazz. Köstlich. Anhören, erblassen und auf die Knie sinken. Zur Zeit redet jeder davon, denn das Teil ist dekonstruktiv anschlußfähig. But beware! Diese Platte macht 20 Jahre jünger und gehört nicht in die Hände von Jugendlichen.

Marc Ribot’s Ceramic Dog – Party Intellectuals

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