Kurze Geschichte des Noo Jazz

The Ornette Coleman Quartet - This is Our Music The Universal Congress Of - This is Mecolodics Mostly Other People Do The Killing This is Our Moosic

1. Künstlerische Freiheit, kreative Aneignung der Tradition, ein ironisches Verhältnis zur eigenen Bedeutung und etwas Freude an der Provokation — also Jazz? Die drei Alben entstammen musikalisch sehr verschiedenen Zeiten, die trotzdem etwas gemeinsam haben: einen trägen Mainstream, den man aufwirbeln muss.

2. Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre war Jazz im Zenit. Der Plattenmarkt war beherrscht von einer Jazzindustrie: Neben einigen herausragenden und visionären Alben erschienen dutzende oder vermutlich eher hunderte Platten desselben Strickmusters — barbeque-tauglicher, geschmackvoll arrangierter, dezent mit gestopftem Blech geblasener Jazz. Ornette Coleman fand das zu wenig und setzte mit seiner Musik ein neues, freieres musikalisches Konzept gegen den traditionell gespielten Wohlklang.  Das Album „This is our Music“ (1960) ist als Nachfolger der beiden 1959er Alben „The Shape of Jazz to Come“ und „Change Of The Century“ ein weiterer Schritt auf dem Weg hin zum Jahrhundertwerk „Free Jazz. A Collective Improvisation“ (1960). Das Cover dieses Albums hat die Kraft einer Ikone. Die klare, schnörkellose Gestaltung und das eine enorme Coolness ausströmende Bandfoto sind Zeichen desselben Freiheitswillens, der in jedem Ton des Quartetts hörbar wird.

3. Joe Baiza und seine drei Mitstreiter im „Universal Congress of“ sind legendäre Typen, die legendäre Platten bei dem legendären Label SST veröffentlicht haben. Auch die UCO-Konzerte sind legendär und da sich das Internet in die Vergangenheit hineinfrisst, gibt es hier den Mitschnitt einer 1989er-Livesession. Das anfangs eher als Randphänomen betrachtete und für UCO untypische Album „This is Mecolodics“ erschien in einer Zeit, als die Independent-Szene in strengen, kirchlichen Ritualen festgefahren war. Einige Leute konvertierten zu Elektronika oder Hip Hop, andere versuchten sich neu zu erfinden. Joe Baiza machte Schluss mit den festgefahrenen musikalischen Strukturen des Hardcore und orientierte sich an der Haltung, die ihm Ornette Coleman vorgegeben hatte. Angeregt durch die „Harmolodics“ genannte Kompositionsweise von Coleman entstand eine grandiose Platte. Im Unterschied zu den meisten Hardcore-Alben von SST ist sie das zeitlose Monument einer Suche nach einem neuen Sound.

4. Heute verströmen nur Nerds noch wahre Coolness. Was um die Zeit meiner Geburt neu und aufregend war, funktionierte schon während meines Studiums nur noch, wenn sich damit wirkliche musikalische Substanz verband. Heute sind die Posen der Coolness längst vom medialen Quirl atomisiert worden. Das ist ganz leicht erkennbar daran, dass Coolness-Kompendien von gänzlich uncoolen, im 90-Grad-Winkel auch noch die schlüpfrigste Karriereleiter hinaufkriechenden Postensammlern aus der Berlinmitte-Medienszene geschrieben werden. Richtig cool sind dagegen die Jungs der Band mit dem schön schrägen Namen „Mostly other People do the Killing„. Das New Yorker Quartett um den Komponisten und Bassisten Moppa Elliott orientiert sich an der Arbeit von Ornette Coleman, will aber die Sache mit dem Jazz nicht ganz so bierernst verstanden wissen. Die vier Musiker machen einen Raubzug durch die Jazzgeschichte und präsentieren ihre Beute mit sehr viel Spielfreude und Humor.

5.

The Ornette Coleman Quartet — This Is Our Music (1960)
The Universal Congress of — This Is Mecolodics (1988)
Mostly Other People Do The Killing — This Is Our Moosic (2008)
<object width=“425″ height=“344″><param name=“movie“ value=“http://www.youtube.com/v/VjuPOnX5704&hl=de&fs=1&rel=0&color1=0x2b405b&color2=0x6b8ab6″></param><param name=“allowFullScreen“ value=“true“></param><param name=“allowscriptaccess“ value=“always“></param><embed src=“http://www.youtube.com/v/VjuPOnX5704&hl=de&fs=1&rel=0&color1=0x2b405b&color2=0x6b8ab6″ type=“application/x-shockwave-flash“ allowscriptaccess=“always“ allowfullscreen=“true“ width=“425″ height=“344″></embed></object>

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.