Graue Masse

Wie klingt es, wenn ein Streicherensemble das Feuern der Neuronen in unserem Neocortex spielt? Wie kammermusikalische Capriccios größter Intensität, wie „Cortical Songs“. Die viersätzige Komposition von John Matthias und Nick Ryan basiert auf einer Theorie über die Arbeitsweise unseres Gehirns. Ein entsprechend programmiertes neuronales Netz erzeugt die Spielanweisungen für die Musiker — unter Livebedingungen, so dass jede Einspielung des Stücks anders ist. Das Album ist bei Nonclassical Records erschienen, zu dessen Label-Philosophie es gehört, die Werke junger Komponisten von Elektronika-Produzenten remixen zu lassen. Doch Nonclassical ist nicht nur ein Label, es ist auch eine recht erfolgreiche Club Night in London. Hier wird die europäische Konzertmusik aus dem bürgerlichen Kontext des schweigend zuhörenden Publikums gelöst. Es darf gegessen, getrunken, geredet, gelacht und vor allem getanzt werden. Es darf aber auch zugehört werden — vor allem bei den Cortical Songs, die immer neu durch die graue Substanz unseres Großhirns rauschen.

John Matthias & Nick Ryan – Cortical Songs

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