Chamber Metal

Hellsongs - Hymns In The Key Of 666Ein Metalfan aus dem großen Bekanntenkreis jener Tage, in denen ich regelmäßig in der leicht angeschimmelten, aber saucoolen Discothek  „Getaway“ in Solingen-Glüder war, stürmte bei den Hits der frühen HM-Bands auf die Tanzfläche, nahm theatralisch mit dem Kopf Schwung und legte mit seiner aus roter Naturkrause im XXL-Format bestehenden Matte einen von ansonsten völliger Bewegungslosigkeit des Restkörpers gekennzeichneten, privaten Schamanentanz hin. Habe ich erwähnt, das dieser junge Mann Sommers wie Winters in Jeanshose, Jeansjacke, Lederstiefeln und weißem T-Shirt in Glüder einlief? Anfang der 1980er Jahre hatte sich ein ziemlich bunter und wenig an Spartendenken interessierter Haufen Hipness- und Tanzbegeisterter dort breit gemacht. Musikalisch gab es alles von Krautrock über Folk, Hardrock, Punk, Wave, Metal bis zu Funk und Fusion — außer Disco, denn das mochte damals niemand.

Das Cover der zweiten EP der Band Hellsongs zitiert diese Zeit recht gut herbei: Wenn sich ein bunt bemalter Bully näherte, war das Trampen garantiert erfolgreich. Die Schweden spielen nach eigener Auskunft Loungemetal und covern Hits von Metalbands. Sie arrangieren diese ziemlich spezielle Musik als reduzierte, kammermusikalische Kleinkunstwerke — mit einem deutlichen Schwerpunkt auf die prägnante Wiedergabe der Texte, deren Verständlichkeit bei den Originalen vor allem in Konzerten nicht gerade im Vordergrund steht. Mit der hellen und klaren Stimme der bis Ende 2008 in der Band singenden Harriet Ohlsson wird das Schwermetall zu luftigem Folkpop. Die neue Sängerin Siri Bergnéhr hat eine deutlich kräftigere („rockige“) und etwas dunklere Stimme — was viele Songs weniger duftig macht und den Stücken recht gut tut.

Hellsongs – Hymns in the key of 666

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